Online-Präsentation

„… damit wir unßer leib und guet vor den widerwertigen erretten“

Der Bauernkrieg in Füssen 1525

Online-Präsentation im Rahmen der 500. Jährung der Ereignisse

Im Deutschen Bauernkrieg von 1525 protestierten vor allem Bauern aus wirtschaftlichen und religiösen Gründen gegen die Grundherren, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die Proteste weiteten sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Flächenbrand aus. Auch Füssen bangte um seine Sicherheit. Da der Bischof von Augsburg nicht den nötigen Schutz bieten konnte, huldigte die Stadt dem Erzherzog Ferdinand von Innsbruck und wurde österreichisch. Zerstörungen konnten so vermieden werden. Nach der blutigen Niederschlagung der Bauern verlangte der Bischof die Herrschaft über Füssen zurück. In schwierigen Verhandlungen konnte er überzeugt werden, die Stadt ohne Strafe wieder unter seine Herrschaft zu nehmen, und die alten Verhältnisse waren wiederhergestellt.

Die Bauern waren ganz von ihrem adligen oder kirchlichen Grundherrn abhängig. Diese konnten über die privatesten Dinge ihrer Untertanen entscheiden, beispielsweise über eine Heirat oder einen Umzug. Auch mussten die Bauern größere Abgaben und Steuern tätigen sowie kostenlos Dienstleistungen verrichten. All dies führte zu einer immer stärker werdenden Unzufriedenheit, die sich dann in immer größeren Protesten niederschlug. Ermutigt von der neuen Lehre des Reformators Martin Luther, der damit gegen die katholische Kirche aufbegehrte und der von der „Freyheith eines Christenmenschen“ sprach, stellten sich die Bauern gegen die Unterdrückung und Armut.

Im März 1525 trafen sich in Memmingen u. a. Bauern aus Schwaben und dem Allgäu und verfassten die „Zwölf Artikel“ mit ihren Forderungen. Die Obrigkeit sah darin ein Aufbegehren gegen die von Gott gewollte Ordnung. So griffen die Bauern vielerorts zu den Waffen und der blutige Teil des Deutschen Bauernkrieges begann.

© Grundriss der Stadt Füssen während der Belagerung von 1632, Stadtarchiv: BA 00008

Der Bauernkrieg in Füssen

Füssen musste als Stadt des Bischofs von Augsburg damit rechnen, in das Fadenkreuz der Allgäuer Bauern zu geraten: Am 10. April ritten die Bauern auf Füssen zu, was in der Stadt für große Angst sorgte. Zu gering war die Zahl der wehrfähigen Bürger gegenüber der Masse der Bauern, zu wenig befestigt waren Stadtmauer und Verteidigungsanlage. Deshalb wandte sich die Stadt an ihren Herrn, den Bischof, der jedoch keine Hilfe schicken konnte.

In ihrer Not suchte Füssen Hilfe in Österreich, bei Ferdinand von Innsbruck, der tatsächlich Truppen zur Verstärkung entsandte. Die Stadt war ihm so dankbar, dass sie ihm huldigte, was bedeutet, dass Füssen somit österreichisch war. Aufgrund dieser neuen Entwicklung ließen die Bauern von der Stadt ab und erklärten sich für Verhandlungen bereit. Auswirkung hatten diese allerdings nicht, da das Heer der Obrigkeit – der Schwäbische Bund – immer mehr Schlachten gegen die Bauern gewann und schließlich über die Bauern siegte.

Füssen konnte sich nur kurz über die Abwendung der Gefahr freuen, denn der Bischof von Augsburg klagte die Stadt an, sich gegen ihn verschworen und ohne Not den Herrn gewechselt zu haben. Füssen versuchte die Sachlage richtig zu stellen: Die Stadt hätte sich im Gegenteil in höchster Not Hilfe vor der Zerstörung gesucht. Schlussendlich konnte dieser Streit beigelegt werden, indem der Bischof von Augsburg die Stadt zurückbekam und dieser Straffreiheit zusicherte. Somit waren die alten Verhältnisse wiederhergestellt.


Stimmen aus dem Bauernkrieg

Ein Bauer vor den Toren Füssens, eine Bäckerstochter aus der belagerten Stadt und ein Soldat, der in der Festung Ehrenberg auf den Einsatz wartet, fassen die drei Perspektiven auf das Geschehen zusammen. Für uns sind sie Zeitzeugen, die es ermöglichen, sich in die Lage der Menschen von damals zu versetzen.

Hör Dir an, was unsere fiktiven Personen aus der Zeit des Bauernkriegs in Füssen zu berichten haben.


© Titelholzschnitt, Zwölf Artikel der oberschwäbischen Bauern, verfasst vom Memminger Bürger Sebastian Lotzer, gedruckt Augsburg 1525

Texte: Tobias Ranker, Stadtarchiv Füssen

Titelbild: Urkunde über die Rücknahme der Stadt von Erzherzog Ferdinand für den Bischof Christoph von Augsburg durch den Bauernjörg am 29. Juli 1525, Stadtarchiv Füssen, StdAF, A36.413.08