Gemälderestaurierung in der Klosterbibliothek

Das Gemälde „Anbetung des Heiligen Benedikt“ (1781) von Franz Anton Zeiller (1716–1794) wird derzeit einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Das Werk ist ein zentrales Exponat in der Dauerausstellung des Museums der Stadt Füssen und ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Kunstgeschichte.

Hintergrund und Bedeutung des Gemäldes

Das Ölgemälde zeigt den heiligen Benedikt auf einem Triumphwagen über den vier damals bekannten Erdteilen, Amerika, Europa, Asien und Afrika. Diese Darstellung symbolisiert die weltweite Ausbreitung der Benediktsregel, bekannt als Regula Benedicti, ein Regelwerk für das monastische Leben, das um 540 n. Chr. im Kloster Monte Cassino entstand. Sie legt die Grundsätze für das Leben der Mönche fest. Unterhalb des Wagens ist der heilige Magnus zu sehen, der auf das neu erbaute Kloster St. Mang hinweist. Eine Frauengestalt mit Tiara, die eine Weltkarte hält, verkörpert die Kirche.

Das Gemälde nimmt das Thema des Deckenölbildes von Josef Anton Walch (ca. 1750) in der Loggia des Klosters auf und spiegelt den spirituellen und politischen Kontext des Barockklosters wider. Es ist Teil eines umfassenden Bildprogramms, das einerseits die missionarische Tätigkeit des Benediktinerordens legitimieren und andererseits die Unabhängigkeit des Klosters von der Augsburger Bischofsherrschaft unterstreichen sollte. Der Idealplan des Klosters ist auf Zeillers Gemälde abgebildet.

Funktionale und historische Bedeutung

Ursprünglich diente das Gemälde nicht nur als künstlerische Darstellung, sondern hatte auch eine praktische Funktion: Es verschloss das baulich ausgesparte Oval zwischen der Klosterbibliothek und dem darunterliegenden Refektorium. Bei winterlichen Temperaturen schützte es den unteren Raum vor Kälte. Mit der Bildseite zum Refektorium fungierte es als Deckengemälde.

Heute ist das Werk in der Klosterbibliothek ausgestellt und nimmt in der Sammlung des Museums eine zentrale Rolle ein.

Ziel der Restaurierung

Die geplante Maßnahme umfasst die sorgfältige Restaurierung und konservatorische Sicherung des Gemäldes, um seine künstlerische Substanz und historische Funktion langfristig zu erhalten. Durch die Restaurierung wird das kulturelle Erbe des Barockklosters bewahrt. Sie macht die Bedeutung von Franz Anton Zeillers Werk für die regionale Kunstgeschichte sichtbar und die außergewöhnliche Verbindung zwischen Kunst, Architektur und Funktionalität dieses außergewöhnlichen Objekts besser erlebbar.

Aktueller Zustand und Herausforderungen

Das Gemälde ist von hoher künstlerischer Qualität, sowohl in der Komposition als auch in der Maltechnik. Aufgrund seines extrem schlechten Erhaltungszustands sind viele Details jedoch kaum noch erkennbar.
 
Bereits 2024 wurde eine Konservierung durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass viele aufstehenden Bereiche auf alte, ungenügend haftende Kittungen zurückzuführen sind. Diese wurden stabilisiert. Zudem wurden Musterflächen für Freilegung, Kittung und Retusche erstellt.
 
Die aktuelle Restaurierung, die ebenso wie die erste Maßnahme 2024 von der Dipl. Restauratorin Cornelia Peter und ihrem Team durchgeführt wird, umfasst erstens die Firnisabnahme, die mittlerweile abgeschlossen ist: Die gealterte Schutzschicht auf der Maloberfläche wurde entfernt. Stark nachgedunkelte Übermalungen, die oftmals über die Fehlstellen hinausreichten, wurden abgenommen. Derzeit fertigt Peter Retuschen an, was bedeutet, dass Fehlstellen durch reversible farbige Ergänzungen geschlossen werden. In einem letzten Schritt erfolgt der Auftrag eines neuen Firnisses.
 
Die  Maßnahmen zielen darauf ab, die hohe Qualität des Gemäldes wiederherzustellen. Erste Fortschritte sind bereits sehr gut sichtbar. Insgesamt nimmt die Restaurierung mehrere Monate in Anspruch.

Fragen rund um diese Gemälderestaurierung?
Gerne unter: museum(at)stadt-fuessen.de


Die Maßnahmen werden von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern gefördert.